{"id":1301,"date":"2022-03-11T15:58:00","date_gmt":"2022-03-11T14:58:00","guid":{"rendered":"https:\/\/transit.alice.ch\/dialogue\/fiction-opens-up-possibilities\/"},"modified":"2023-12-08T10:19:39","modified_gmt":"2023-12-08T09:19:39","slug":"fiction-opens-up-possibilities","status":"publish","type":"dialogue","link":"https:\/\/thinktank-transit.ch\/de\/dialogue\/fiction-opens-up-possibilities\/","title":{"rendered":"Fiktion er\u00f6ffnet M\u00f6glichkeitsr\u00e4ume"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group has-cyan-bluish-gray-background-color has-background is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Elisabeth Bronfen<\/h2>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. Elisabeth Bronfen ist Professorin f\u00fcr englische und amerikanische Literatur an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-style-reduced-width is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p class=\"is-style-lead\">Ihr Buch beginnt mit einer pers\u00f6nlichen Spekulation: Die Pandemie k\u00f6nnte eine Chance bieten, \u00fcber die Zukunft nachzudenken, nicht (nur) auf der Basis von messbaren Kalkulationen, sondern im Sinn eines Nachdenkens \u00fcber das M\u00f6gliche. Warum r\u00e4umen Sie der Fiktion dabei eine so wichtige Rolle ein?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Elisabeth Bronfen: Messbare Fakten sind fraglos wichtig, um die Welt zu beschreiben und die Vergangenheit zu verstehen. Aber wenn es darum geht, sich in einer unsicheren Situation zu orientieren, hilft es auch, sich Dinge vorstellen zu k\u00f6nnen, die \u00fcber dieses Messbare, Verifizierbare hinausgehen. Das Entscheidende bei der Fiktion ist ja dieses \u00abWie w\u00e4re es, wenn\u2026\u00bb oder \u00abWie k\u00f6nnte es auch anders sein?\u00bb, also die Frage des Als-Ob, des M\u00f6glichen, des nicht absolut Abgesicherten, das das Potenzial hat, sich zu entfalten. Dieser Raum des Potenziellen, des M\u00f6glichen, des Ausprobierens hat f\u00fcr mich sehr viel mit Neugierde zu tun. Dieser Raum ist der Raum der Fiktion. Er ist ein Ort, an dem Dinge erkundet werden k\u00f6nnen und vieles durchdacht werden kann, weil es innerhalb dieses Raumes noch keine konkreten Konsequenzen hat. Die Fiktion ist ein Spielraum und ein Proberaum. Nat\u00fcrlich sind Fiktionen schon f\u00fcr sich etwas Wunderbares, in \u00dcbergangsphasen oder Krisen scheinen sie mir aber besonders brauchbar zu sein. \u00dcbergangsphasen sind riskante Phasen, in denen man oft nicht genau erkennen kann, wie sie entstanden sind und wohin sie f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Sie sehen die Fiktion also als erg\u00e4nzende Erkenntnisform neben dem faktenbasierten Wissen?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, dabei m\u00f6chte ich aber betonen, dass es mir nicht darum geht, Fiktion gegen Fakten auszuspielen. Das Verifizierbare ist wichtig. Mir geht es darum, was es zus\u00e4tzlich braucht, um Dinge zu verstehen oder sich zu orientieren. Das hat sehr viel mit Einbildungskraft im Sinne der Philosophie zu tun. Ohne diese F\u00e4higkeit kann man sich M\u00f6glichkeiten, die noch nicht eingetroffen sind, nicht vorstellen. Deshalb ist die Fiktion aus meiner Sicht so entscheidend: Sie ist ein Ort, an dem das M\u00f6gliche, noch Ungewisse vorstellbar wird. Fiktion erweitert damit auch die M\u00f6glichkeiten, sich in der realen Welt zu orientieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">In Ihrem Buch gehen sie auch der Frage nach, warum wir uns nicht fr\u00fchzeitig auf die Pandemie vorbereitet haben, da wir uns doch h\u00e4tten denken k\u00f6nnen, was auf uns zukommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, genau. Es gibt zahlreiche Romane und fiktionale Texte \u00fcber Seuchen. Man h\u00e4tte sich durchaus vorstellen k\u00f6nnen, was auf uns zukommt, aber man wollte es nicht. Deshalb ist mir die Fiktion so wichtig als Ort, an dem man sich etwas vorstellen kann, das noch nicht gesichert ist und nicht unbedingt eintreten muss, aber eintreten k\u00f6nnte.Zumindest als Gedankenexperiment h\u00e4tte uns ein Film wie Contagion von Steven Soderbergh vorbereiten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Tats\u00e4chlich waren im Fall der Corona-Pandemie schon Fakten aus Asien bekannt, bevor die Pandemie bei uns ankam. Man h\u00e4tte also nicht einmal Einbildungskraft gebraucht, um zu erkennen, was uns erwartet. Das Faktenwissen hatte diesen Effekt aber offenbar nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, und das gilt nicht nur f\u00fcr diesen Fall. Die Aussage \u00abman h\u00e4tte es wissen k\u00f6nnen\u00bb taucht in allen Pandemiegeschichten und auch bei allen politischen Krisen auf. Als Kulturwissenschaftlerin frage ich mich nat\u00fcrlich: Und warum hat man es denn nicht gewusst? Dabei kommt man unweigerlich zur Frage des Erz\u00e4hlens. Im Englischen sagt man \u00abto connect the dots\u00bb: Die Punkte sind da, man muss sie aber irgendwie miteinander verbinden. Die Art, wie man die Punkte miteinander verbindet, hat mit den Geschichten zu tun, die man erz\u00e4hlen m\u00f6chte. Damit in Zusammenhang steht das Thema des Narrativs. Wenn davon gesprochen wird, das Narrativ zu ver\u00e4ndern, geht es darum, aus der Unmenge an verf\u00fcgbaren Informationen eine Auswahl zu treffen. Man kann nicht \u00fcber alle Punkte reden, sondern muss sich bestimmte aussuchen und Verbindungslinien herstellen. Das ist es letztlich, was Geschichten tun.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Fiktion ist ein Ort, an dem das M\u00f6gliche, noch Ungewisse vorstellbar wird. Damit erweitert Fiktion auch die M\u00f6glichkeiten, sich in der realen Welt zu orientieren.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Dann hat man im Fall der Pandemie also die Punkte gesehen, sie aber nicht verbinden wollen?<\/p>\n\n\n\n<p>Das kann man so sagen. Die Punkte w\u00e4ren da gewesen, aber man hat sich das Narrativ, das einem geholfen h\u00e4tte sich zu orientieren, nicht zusammenf\u00fcgen wollen \u2013 nicht im Voraus und nicht zu Beginn der Pandemie. Nachtr\u00e4glich ist man immer schlauer, aber nachtr\u00e4glich ist man nur deshalb schlauer, weil man die Konsequenzen kennt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was ich hier \u00fcber Seuchen sage, gilt \u00fcbrigens ganz \u00e4hnlich auch f\u00fcr Kriege. Man k\u00f6nnte fr\u00fchere Kriege oder Geschichten \u00fcber Kriege untersuchen und sich fragen, was sich wiederholen k\u00f6nnte. Dabei kommt f\u00fcr mich der Begriff der Spekulation ins Spiel. Ich beziehe mich dabei auf die amerikanische Wissenschaftstheoretikerin Donna Haraway und ihr Spiel mit den beiden Buchstaben s\/f. Diese stehen f\u00fcr \u00abscience fiction\u00bb, aber auch f\u00fcr \u00abscience fabulation\u00bb, \u00abspeculative fabulation\u00bb, \u00abspeculative feminism\u00bb<sup>1<\/sup> und vieles mehr \u2013 bis hin zu \u00abso far\u00bb, also so weit, bis dahin. Diese intellektuelle Spekulation erm\u00f6glicht es, verschiedene Optionen in Bezug auf das, was bereits einmal passiert ist, durchzudenken.Die Spekulation l\u00e4sst Handlungsm\u00f6glichkeiten sichtbar werden und er\u00f6ffnet M\u00f6glichkeiten, wie eine Geschichte auch anders ausgehen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Mit Ihrem Pandemie-Buch haben Sie genau das getan: die Punkte verbinden. Dabei verwenden Sie mit Bezug auf Literatur und Film zu Pandemien viele kriegerische Metaphern. Wie erkl\u00e4ren Sie es sich, dass ein eigentlich medizinisches Faktum auf so martialische Weise erz\u00e4hlt wird?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man sich B\u00fccher zu Pandemien oder zu Krankheiten ansieht, st\u00f6sst man meist auf zwei grosse Geschichten. Es gibt noch viel mehr davon, aber ich greife hier zwei der h\u00e4ufigsten heraus. Die eine Geschichte ist die religi\u00f6se. Diese hat immer mit Schuld zu tun, mit Opfern, Vergeltung und Bestrafung. Die zweite ist tats\u00e4chlich eine martialische Geschichte. Ich denke, das hat damit zu tun, dass jede Form von Pandemie, jede Form von Krankheit als Angriff erlebt wird. Die erkrankten K\u00f6rper bedeuten ihrerseits einen Angriff auf die Gemeinde. W\u00e4hrend man sich in einem vermeintlich friedlichen Zustand befindet, wird man pl\u00f6tzlich angegriffen und muss sich wehren. Man muss, wie es ja auch in der Medizin heisst, Abwehrkr\u00e4fte mobilisieren, um sich zu st\u00e4rken. So gesehen ist es nicht erstaunlich, dass im Zusammenhang mit Pandemien Kriegsbilder verwendet werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Inwiefern sehen Sie diese Mechanismen auch in der Corona-Pandemie am Werk?<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Welle folgt auf die n\u00e4chste; wir befinden uns sozusagen in einer l\u00e4ngeren Belagerung. Es entstehen immer neue Varianten von Viren, die sich in unseren K\u00f6rpern ausbreiten und die wir untereinander verbreiten, weswegen man sie immer wieder aufs Neue bek\u00e4mpfen muss. Was vor der Pandemie nicht bedroht war, ist auf einmal bedroht. Die Kriegsmetapher war auch aus einem weiteren Grund sinnvoll: Sie erlaubt klare Positionen. Im Krieg ist man entweder Freund oder Feind. Das Virus ist feindlich. Dagegen k\u00f6nnen wir uns verb\u00fcnden, wobei es immer auch Leute gibt, die sich nicht verb\u00fcnden und beispielsweise das Virus leugnen oder keine Schutzmassnahmen ergreifen wollen. Die Kriegsbilder erlauben uns, etwas, das nicht greifbar ist, zu begreifen, also intellektuell und emotional greifbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will damit nicht sagen, dass eine virale Pandemie ein Krieg sei. Aber Kriegsbilder sind brauchbare Denkbilder, um zu verstehen, in welcher Situation wir uns befinden und wie wir uns am besten verhalten sollen \u2013 bis hin zur Ausgangssperre, wie sie zwar nicht hier in der Schweiz, aber in Frankreich und Deutschland verh\u00e4ngt wurde. Dieses In-Kriegsbildern-Denken ist Teil unserer Kultur, nicht nur der westlichen. Die Gr\u00fcndungsmythen sehr vieler Kulturen enthalten Kampfgeschichten: G\u00f6tter k\u00e4mpfen miteinander, G\u00f6tter k\u00e4mpfen gegen Titanen und so weiter. Damit l\u00e4sst sich das Strukturieren oder Verteidigen von Ordnungen auf Bilder reduzieren, auf die man immer wieder zur\u00fcckgreifen kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">In Ihrem Buch erw\u00e4hnen Sie, dass w\u00e4hrend der Pandemie das Interesse an Vampirliteratur und Zombiefilmen zugenommen habe. Warum das?<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht alle Vampirgeschichten sind Pandemiegeschichten, aber einige der ber\u00fchmtesten sind es. Nosferatu zum Beispiel. Vor f\u00fcnf Jahren w\u00e4re das kaum jemandem aufgefallen, aber jetzt hat man diese Geschichte pl\u00f6tzlich mit anderen Augen gesehen. Wenn man zuschaut, wie der Vampir dreist per Schiff von einem Ort zum anderen reist, l\u00e4sst sich dies sofort \u00fcbertragen auf Leute, die in Wuhan in ein Flugzeug steigen \u2013 in ein Luftschiff, wie das Flugzeug fr\u00fcher mal hiess \u2013 hierherkommen und das \u00dcbel verbreiten. Dieser Bewegungsverlauf der Ansteckung von einem entfernten Ort zu uns ist in Seuchengeschichten immer wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige dieser Filme erz\u00e4hlen also eine Geschichte, die wir selbst erlebt haben. Die Seuche kommt immer von aussen. Sie wird zu uns hereingetragen, ist anfangs unsichtbar und l\u00e4sst sich nur an den Folgen erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Neben den Kriegsmetaphern identifizieren Sie in den Pandemiegeschichten ein weiteres Denkbild, jenes der Verwandlung: Die Infizierten verwandeln sich in Monster, die manchmal get\u00f6tet werden, sich dem Feind aber auch anverwandeln k\u00f6nnen. Sehen Sie auch bei Corona das Motiv der Verwandlung?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Seuche kommt von woanders und ist anfangs nur indirekt sichtbar. Bei den Vampirgeschichten sind das die kleinen Bisse am Hals. Die Idee, die K\u00f6rper k\u00f6nnten ansteckend sein, findet sich in den Vampirgeschichten bei den Gebissenen, die noch keine richtigen Vampire sind, aber solche werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Folgen von Corona sehen wir bei Leuten, die husten oder den Geruchs- und Geschmackssinn verlieren. Wenn man erkrankt und drei Wochen im Bett liegt, schwitzend, nicht ganz bei Sinnen, dann kann man durchaus von einem verwandelten K\u00f6rper sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Ebene der Erz\u00e4hlung sehe ich da eine Analogie, die es erm\u00f6glicht, etwas zu begreifen. Darin kommt etwas ganz Archaisches zum Ausdruck: Der Mensch, der gestern noch freundlich dasass, den ich umarmen konnte, ist auf einmal ein Anderer. Er ist f\u00fcr mich potenziell gef\u00e4hrlich, weil er mich anstecken k\u00f6nnte. Wie erkl\u00e4re ich mir das? Seit Tausenden von Jahren stellt der Aberglauben daf\u00fcr einen Fundus an Bildern zur Verf\u00fcgung. Der K\u00f6rper, der nicht mehr der Gleiche ist wie vorher, kann vielleicht mit den richtigen Kr\u00e4utern und Zaubermitteln geheilt werden. In unserem mythopoetischen Denken haben wir zahlreiche Rituale, um uns vor der Gefahr, die vom verwandelten Anderen ausgeht, zu sch\u00fctzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Das w\u00fcrde also erkl\u00e4ren, warum es Sinn ergab, in der Pandemie auf Vampire und Zombies zur\u00fcckzugreifen. Aber welche Funktion erf\u00fcllen diese Filme? Warum haben sich viele Leute diese Art von Geschichten angesehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich den Vergleich \u00abViren seien wie Zombies\u00bb vorschlug, haben sich sehr viele Leute darauf eingelassen. Warum? In Situationen der Unsicherheit, des Zweifelns greifen wir gern zu exzessiven Geschichten. Anderthalb Jahre nach Ausbruch der Pandemie wissen wir noch immer wenig \u00fcber Covid-19. Wir haben eine vage Vorstellung von diesem Virus, dann taucht eine neue Variation auf und schon \u00e4ndert sich wieder alles. Gerade in diesen Situationen, in denen man etwas nicht greifen kann und selbst in einem Zustand der Unsicherheit ist, greift man gern zu grossen, dramatischen Geschichten, in denen klar ist, wer der \u00dcbelt\u00e4ter ist: ein Vampir, ein Zombie, ein Serienm\u00f6rder. Das sind Entlastungsgeschichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Vampirgeschichten sind aber doch recht weit von unserer Realit\u00e4t entfernt<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, das sind Erz\u00e4hlungen, die mit unserem Alltag nichts zu tun haben. Im Gegensatz zur klaren Welt dieser Geschichten kennen wir in der Realit\u00e4t viele Menschen, die erkrankt sind, obwohl sie Masken getragen und sich gesch\u00fctzt haben. Hier bietet die Welt der Fiktion Kl\u00e4rungen. Darum ist der Ort der Fiktion so brauchbar. Es gibt klare Positionen und Helden, die immer \u00fcberleben. Wenn wir Fiktionen lesen, sind wir nat\u00fcrlich selbst die \u00dcberlebenden. Ausserdem gibt es meistens einen Bogen bis hin zur Aufl\u00f6sung: Irgendwann wird der M\u00f6rder gefasst, die Welt wird gerade noch gerettet, die Zombies sind ausgel\u00f6scht. Diese Geschichten sind \u00absurvival tales\u00bb, \u00dcberlebensfiktionen. Ich glaube, wir wollen nicht nur wissen, dass wir \u00fcberleben werden. Wir wollen diese Geschichten auch, weil sie heldenhafte Taten zeigen. Man agiert, wehrt sich, hat eine Strategie. Wer es nicht richtig macht, muss geopfert werden, was einen dann selbst wieder aufbaut. Das sind die entscheidenden Komponenten, warum diese dramatischen Geschichten w\u00e4hrend der Pandemie Anklang fanden. Sie boten Ablenkung und Beruhigung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Sie sagen, die Vampire und Zombies werden am Ende besiegt. Es gibt aber auch viele Erz\u00e4hlungen, in denen die Untoten \u00fcberleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Da Sie die Untoten erw\u00e4hnen: Ich glaube, das ist etwas ganz Entscheidendes. Die Pandemie ist nie vorbei. Sie kann soweit einged\u00e4mmt werden, dass sie wieder schlummert, wie das beim wunderbaren Ende von Camus\u2019 Pest der Fall ist. W\u00e4hrend alle anderen Leute auf der Strasse tanzen, sagt der Erz\u00e4hler, der Arzt: Naja, was die Leute nicht verstehen, ist, dass die Pest sich zur\u00fcckgezogen hat wie ein Heer und jetzt im Untergrund sitzt. Sie hat sich in den Koffern und den Kleidern eingenistet und wird irgendwann wieder zur\u00fcckkommen. Es h\u00f6rt also nie auf. In diesem Sinn handelt es sich bei Viren tats\u00e4chlich um Untote, weil man sie nicht ausrotten kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Ich habe mir noch ein Zitat aus Ihrem Buch notiert: \u00abDas Virus ist keine Geschichte, es offenbart keine Wahrheit. Es zeigt vielmehr die Grenzen unseres Wissens angesichts einer virologischen Unbekannten auf.\u00bb (S. 128). Mit dem Erz\u00e4hlen von Geschichten wollen wir die Ungewissheit vertreiben und unliebsames Wissen fernhalten. Wie Sie anhand vieler Beispiele zeigen, steckt im Erz\u00e4hlen aber auch ein Verlangen nach Sinnstiftung. Fiktion ist also sowohl eine Erkenntnisform als auch ein Verdr\u00e4ngungsinstrument und kann zugleich als Abwehrzauber wirken. Wie passt das zusammen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich weiss nicht, ob man von Erkenntnis sprechen kann oder eher nur von Pr\u00e4missen im Sinn der Psychoanalyse. Da spielt f\u00fcr mich ein Begriff, der f\u00fcr Freud sehr wichtig ist, eine grosse Rolle: die Illusion oder die T\u00e4uschung \u00ad\u2013 und damit verbunden die Ent-T\u00e4uschung, also das Aufgeben einer T\u00e4uschung.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Pandemie-Geschichten muss man als&nbsp;Geschichten verstehen, die man sich erz\u00e4hlt, um weiterleben zu k\u00f6nnen. Der Punkt ist nicht, dass wir alle unsere Illusionen und Selbstt\u00e4uschungen oder Selbstl\u00fcgen, mit denen wir uns das Leben zurechtbiegen, damit es f\u00fcr uns funktioniert, aufgeben m\u00fcssten. Es geht nur darum, die T\u00e4uschungen zu erkennen. Teilweise erkranken wir ja sogar an den Geschichten, die wir uns erz\u00e4hlen. Das ist der psychoanalytische Begriff des Symptoms. Symptome sind Kr\u00fccken. Ein Drang zur Ent-t\u00e4uschung, zur absoluten N\u00fcchternheit und zur Erkenntnis, wie die Welt in ihrer wahrsten physischen und psychologischen Bestimmtheit w\u00e4re \u2013 unsere K\u00f6rper sind verg\u00e4nglich, wir sind versehrt, wir werden alle sterben, wir k\u00f6nnen nie alles wissen \u2013 das macht uns ja furchtbar ungl\u00fccklich. Es geht also darum, eine Balance zu halten zwischen Sich-Geschichten-Erz\u00e4hlen und Sich-an-Geschichten-Orientieren. Daher auch unsere Liebe f\u00fcr Stars, zur Kunst, zu jeder Form von Ablenkung. Und gleichzeitig gibt es die Notwendigkeit der Ern\u00fcchterung, des Wieder-Aufwachens. Das war es auch, was mich bei dem Nachtbuch (vgl. Bronfen 2008) so interessiert hat. Wir m\u00fcssen in die Nacht gehen, weil wir nur dort diese verschiedenen Dinge erleben k\u00f6nnen oder zu erleben meinen. Aber wir m\u00fcssen auch wieder aufwachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will also \u00fcberhaupt nicht sagen, dass es die \u00fcberpr\u00fcfbaren Fakten nicht g\u00e4be. Was ich sagen will, ist, dass es mehr gibt als Fakten. Mein eigenes p\u00e4dagogisches Interesse zielt darauf, dass Leute erkennen sollten, was sie tun. Wenn wir Geschichten \u00fcber das Virus erz\u00e4hlen, die ihm einen Sinn verleihen und uns erlauben, eine Haltung gegen\u00fcber der Pandemie einzunehmen, \u00fcber unsere Eigenverantwortung nachzudenken oder anderen gegen\u00fcber Verantwortung zu \u00fcbernehmen, dann ist das gut. Es hilft uns zu leben, zu handeln, zu reflektieren.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Wir k\u00f6nnen uns auf dieses Virus projizieren und darin einen Selbstspiegel sehen. Wir k\u00f6nnen darin sehen, was wir wollen. Aber wir m\u00fcssen wissen, dass das unsere Projektionen sind.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Trotzdem ist das Virus keine Geschichte und offenbart keine Wahrheit?<\/p>\n\n\n\n<p>Nein. Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass das Virus nicht menschlich ist. Es hat mit mir eigentlich nichts zu tun, es ist kein feindlicher Agent, es hat kein Bewusstsein, ich bin ihm v\u00f6llig gleichg\u00fcltig. Ich denke in meinen anthropozentrischen menschlichen Kategorien \u00fcber das Virus nach. Es ist \u00fcberheblich zu glauben, dass mein Selbstverst\u00e4ndnis, meine Sprache, meine Erkenntnis, mein Bewusstsein&nbsp;auf alles \u00fcbertragbar seien. Es gibt Materien und Lebewesen, die eine ganz andere Art des Seins, des Existierens und Agierens haben. Deshalb ist es mir so wichtig, n\u00fcchtern festzuhalten, dass das Virus keine Geschichte ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen uns auf dieses Virus projizieren und darin einen Selbstspiegel sehen. Wir k\u00f6nnen darin sehen, was wir wollen. Ich fand darin Stillstand, Innehalten, Nachdenken, Warnung. Das k\u00f6nnen wir alles tun, aber wir m\u00fcssen wissen, dass es <em>unsere<\/em> Projektionen sind. Wir eignen uns das an. Es liegt nicht im Virus selbst. Zu erkennen, was man tut, wenn man sich Geschichten erz\u00e4hlt, ist aus meiner Sicht sehr wichtig. Es bedeutet, dass man auch potenziell sagen k\u00f6nnte: Das ist eine schlechte Geschichte. Eine m\u00f6gliche Geschichte zwar, aber keine besonders gute. Wir k\u00f6nnten die Geschichte auch anders erz\u00e4hlen und so eine Bewusstseinsver\u00e4nderung vornehmen. Darin lag \u00fcbrigens auch immer der Sinn der feministischen Intervention in den herrschenden Diskursen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Verlangen nach Sinnstiftung ist also ganz entscheidend. Wir brauchen Sinnstiftung, um gut leben zu k\u00f6nnen. Ohne Illusionen kann man sich nicht orientieren und die eigenen M\u00f6glichkeiten nicht aussch\u00f6pfen. Vermutlich kann man ohne Illusionen auch keine Zukunft planen und sich somit nicht sinnvoll weiterentwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Sie erw\u00e4hnen noch eine weitere Funktion von Geschichten. Diese k\u00f6nnen dazu dienen, unliebsames Wissen fernzuhalten und sich vorzumachen, man h\u00e4tte die uneingeschr\u00e4nkte Kontrolle \u00fcber sein Leben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, in solchen Momenten sollte man sich sagen: Ich weiss, dass es sich nur um eine Geschichte handelt, die ich mir selbst erz\u00e4hle. Statt zu erz\u00e4hlen, dass ich alles unter Kontrolle habe, k\u00f6nnte ich mir selbst erz\u00e4hlen, dass wir alle Teil eines Gef\u00fcges sind, in dem mal ich, mal jemand anderes mehr Kontrolle hat, in dem ich also nicht immer alles beherrschen, sondern mich teilweise auch unterordnen muss. Dieser Gedanke liegt auch dem Ansatz von Donna Haraway zugrunde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Aus Kino, Theater und Literatur kennt man neben der Kontrollphantasie noch eine weitere Geschichte: Ich kann mit dem Helden sterben und gleichzeitig am Leben bleiben. Ich kann mir also selbst erz\u00e4hlen, dass ich sterbe und doch nicht sterbe.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist ein ganz entscheidender Punkt: die Freude zu \u00fcberleben, noch da zu sein, wenn der andere tot ist. Elias Canetti beschreibt das in \u00abMasse und Macht\u00bb. Freud beschreibt etwas ganz \u00c4hnliches in seinen Gedanken zu Krieg und Tod. In der Literatur sind wir allm\u00e4chtig. Wir k\u00f6nnen gegen Riesen k\u00e4mpfen, gegen Ungeheuer, wir werden immer \u00fcberleben. Wenn jemand stirbt, sterben wir zwar mit ihm. Aber zugleich \u00fcberleben wir, weil wir ja die Leser sind. Deshalb bezeichne ich diese Geschichten als \u00absurvival tales\u00bb, als Geschichten von \u00dcberlebenden. Jemand erz\u00e4hlt irgendjemandem die Geschichte. Selbst wenn am Ende einer Katastrophenerz\u00e4hlung scheinbar alle Leute tot sind, wie zum Beispiel im Roman von Mary Shelley, \u00fcberlebt einer \u2013 beziehungsweise eigentlich zwei<strong>.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Der Erz\u00e4hler und der Leser<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, derjenige, dem der Text erz\u00e4hlt wird. Das ist die implizite Wette dieser B\u00fccher. Darum sind sie so beruhigend, glaube ich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">In Ihrem Buch betonen Sie das menschliche Bed\u00fcrfnis, Geschichten zu erz\u00e4hlen. Zugleich beklagen Sie einen Mangel an Imagination, bspw. in politischen Diskursen. Nun muss man Imagination ja erlernen. Welche Rolle sehen Sie bei den Bildungsinstitutionen? Als Professorin sind Sie ja selbst in einer Bildungsinstitution t\u00e4tig.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Mangel an Imagination betone ich unter anderem, weil ich mich 2001 bzw. 2002 sehr f\u00fcr den \u00ab9\/11 Commission Report\u00bb interessiert habe. Damals wurde eine Kommission gebildet, die \u00fcberpr\u00fcfen sollte, was am 11. September 2001 alles schiefgelaufen war. Der Hauptvorwurf der Kommission \u2013 diese bestand aus Politikern, Rechtsanw\u00e4lten und Richtern \u2013 lautete \u00ablack of imagination\u00bb. Im Vorfeld vom 11. September 2001 hatte man nicht die Einbildungskraft zu erfassen, was es bedeuten k\u00f6nnte, wenn jemand aus Virginia anruft und sagt \u00abwir haben hier Leute, die fliegen lernen wollen, sich aber nur daf\u00fcr interessieren, wie sie in die Luft kommen und nicht daf\u00fcr, wie sie da wieder runterkommen sollen\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Die Bildungsinstitutionen sollten also die Imagination f\u00f6rdern?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorstellungskraft muss ge\u00fcbt werden und das geh\u00f6rt auch in die Bildungsinstitutionen. Diese sollten das Spinnen von Ideen, das Ausprobieren von M\u00f6glichkeiten oder eines anderen Bewusstseins, anderer Realit\u00e4ten st\u00e4rker f\u00f6rdern. Das ist zurzeit tats\u00e4chlich ein Politikum. Die Hochschulen zum Beispiel schlagen gerade die entgegengesetzte Richtung ein. Quantifizierbares, \u00fcberpr\u00fcfbares Wissen, das bei Pr\u00fcfungen abgefragt und abgehakt werden kann, gewinnt an Bedeutung, wobei alle Zwischent\u00f6ne verloren gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt aber Gegengewichte zur Tendenz, messbares Wissen abzufragen. So ist zum Beispiel festzustellen, dass Creative Writing immer beliebter wird. Es wird an den unterschiedlichsten Orten eingesetzt, von der Medizin \u00fcber die Wirtschaft bis zur Sterbebegleitung. In der Psychologie kommt kreatives Schreiben in Form von narrativen Therapien zu Einsatz, in der Wirtschaft als Form der Probleml\u00f6sung. Auch die Erwachsenenbildung sollte die Imagination f\u00f6rdern. Sie kann z. Bsp. mehr Literaturkurse anbieten und Lesegruppen f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich selbst ist die Kunst der wichtigste Ort der Vorstellungskraft, sei dies nun Malerei, Literatur, Theater oder Kino.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Zur\u00fcck zu Ihrem Buch \u00abAngesteckt\u00bb. Sie haben das Buch von Mai bis Juni 2020 geschrieben, also wenige Monate nach Ausbruch der Pandemie. Es endet mit einer Reihe von Fragen und mit der Hoffnung, die Pandemie k\u00f6nnte eine Zeit des Innehaltens, des vertieften Nachdenkens und der Kapitalismuskritik werden. Wie sehen Sie das jetzt, ein Jahr sp\u00e4ter: Wurden in der Pandemie neue Geschichten erz\u00e4hlt, die zum vertieften Nachdenken anregen und neue M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man sich die aktuellen Filme vor allem von j\u00fcngeren Filmemachern und Filmemacherinnen ansieht, w\u00fcrde ich schon sagen, dass es vorwiegend ernste, kritische Filme sind, die von einem starken kulturellen Unbehagen ausgehen. Was jetzt an Literatur entsteht, werden wir erst allm\u00e4hlich lesen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss aber auch sagen, dass ich das Buch \u00abAngesteckt\u00bb als eine Art Tagebuch geschrieben habe. Als es fertig war, habe ich bewusst auf eine umfassende \u00dcberarbeitung verzichtet, weil ich diese irrsinnige Verunsicherung, die Anfang M\u00e4rz da war, nicht beseitigen wollte. In jenen Monaten schien die Welt tats\u00e4chlich stillzustehen. Diesen Stillstand habe ich als Chance empfunden, vertieft nachzudenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein damaliger Optimismus, dass die Menschen aus der Pandemie etwas lernen w\u00fcrden, ist allerdings inzwischen verflogen. Wir haben aus der Pandemie sehr wenig gelernt. Was die Umwelt betrifft, war das Bewusstsein bereits vorher da. Eine andere Haltung zur Sterblichkeit hat nicht stattgefunden. Auch die anf\u00e4ngliche Solidarit\u00e4t ist verflogen. Daf\u00fcr ist der Narzissmus zur\u00fcck. Viele sehen zum Beispiel ihren Urlaub als Grundrecht und wollen sich nichts mehr vorschreiben lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Sie k\u00f6nnen also keine Anzeichen einer kulturellen Transformation erkennen?<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, eine grunds\u00e4tzliche kulturelle Transformation nehme ich nicht wahr, ganz im Gegenteil. Ich habe eher den Eindruck, dass die Pandemie selbst zu einer Ablenkung von den viel gr\u00f6sseren Problemen werden k\u00f6nnte. Das st\u00e4ndige Reden \u00fcber Covid-19 \u2013 impfen oder nicht impfen, Maske tragen oder nicht, wie viel Distanz ist n\u00f6tig \u2013 h\u00e4lt uns davon ab, bei den viel gr\u00f6sseren Problemen, allem voran dem Klimawandel, genauer hinzusehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Sehen Sie dennoch Denkbilder, die Orientierung oder Perspektiven f\u00fcr die Zukunft bieten k\u00f6nnten?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, vielen j\u00fcngeren Leuten ist klar geworden, dass die Welt, in der wir leben, eine sehr prek\u00e4re ist. Dinge, deren wir uns sicher waren, sind ungewiss geworden. Das ist jetzt aus der Position des Wohlstands gedacht, in der wir uns befinden. Im Vergleich zu manchen anderen Weltgegenden sehen wir uns immer noch als privilegiert, auch in Bezug auf das Klima. W\u00e4hrend wir \u00fcber die Ver\u00e4nderung des Wetters reden, steht man andernorts bereits vor dem Problem, dass kein Wasser mehr da ist. Die Tatsache, dass man sich eines Privilegs bewusst ist, bedeutet nun aber auch, sich bewusst zu sein, dass einem das Privileg weggenommen werden k\u00f6nnte. Es ist ja eben nur ein Privileg.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Teilhabe und Diversit\u00e4t zu zentralen \u00f6ffentlichen Themen werden, wie das jetzt der Fall ist, h\u00e4tte man schon hoffen k\u00f6nnen, dass die Kultur sich \u00f6ffnet. Davon bin ich aber nicht \u00fcberzeugt. Wie eine grundlegende Ver\u00e4nderung m\u00f6glich w\u00e4re, weiss ich nicht. Ich setze meine Hoffnung auf die Jungen. Es ist ihre Welt, also m\u00fcssen sie sie gestalten. Ich glaube, dessen sind sie sich bewusst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zitierte Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Elisabeth Bronfen (2020): Angesteckt. Zeitgem\u00e4sses \u00fcber Pandemie und Kultur. Basel: Echtzeit<\/p>\n\n\n\n<p>Elisabeth Bronfen (2008): Tiefer als der Tag gedacht. Eine Kulturgeschichte der Nacht. M\u00fcnchen: Hanser<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Denkbilder und Fiktion k\u00f6nnen Instrumente sein, um \u00fcber die Zukunft nachzudenken. 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