{"id":1334,"date":"2019-01-21T16:54:00","date_gmt":"2019-01-21T15:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/transit.alice.ch\/dialogue\/theres-no-way-back\/"},"modified":"2024-01-26T14:18:10","modified_gmt":"2024-01-26T13:18:10","slug":"theres-no-way-back","status":"publish","type":"dialogue","link":"https:\/\/thinktank-transit.ch\/de\/dialogue\/theres-no-way-back\/","title":{"rendered":"Den Schritt zur\u00fcck gibt es nicht"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group has-cyan-bluish-gray-background-color has-background is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber Felix Stalder<\/h2>\n\n\n\n<p>Felix Stalder is Professor of Digital Culture and Networking Theories at the Zurich University of the Arts and author of a book entitled \u201cThe Digital Condition\u201d (Image: Wikipedia, CC BY-SA 3.0).<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-style-reduced-width is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p class=\"is-style-lead\">Mit Ihrem Buch \u201eKultur der Digitalit\u00e4t\u201c haben Sie der Diskussion zur Digitalisierung eine neue Wendung gegeben. Im Zentrum Ihres kulturwissenschaftlichen Ansatzes stehen nicht Technologien, sondern gesellschaftliche Prozesse. Was genau bedeutet \u201eDigitalit\u00e4t\u201c und in welchem Verh\u00e4ltnis steht sie zur Digitalisierung?<\/p>\n\n\n\n<p>Digitalisierung ist ein Prozess, der analoge Medien und darauf basierende Prozesse in digitale Medien \u00fcberf\u00fchrt. Bei der Digitalisierung handelt es sich also um einen Prozess des \u00dcbergangs von einer Bedingung in eine andere. Die Digitalit\u00e4t ist eine solche Bedingung. Sie ist die Bedingung des Lebens und Arbeitens, des sich Orientierens unter der Voraussetzung, dass digitale Medien fl\u00e4chendeckend implementiert sind. Digitale Medien bilden die Infrastruktur einer Kultur der Digitalit\u00e4t, sie pr\u00e4gen die sozialen, kulturellen und politischen Prozesse.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Gipfelpunkt der Digitalisierung haben wir vermutlich bereits \u00fcberschritten. Die digitalen Technologien sind allgegenw\u00e4rtig und haben die Voraussetzungen, unter denen wir leben und arbeiten, grundlegend ver\u00e4ndert. Diese neuen Voraussetzungen w\u00fcrde ich als Digitalit\u00e4t bezeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">In Ihrem Buch betonen Sie, was im Verlauf der Digitalisierung an Neuem entsteht. Wo entstehen denn aus Ihrer Sicht zurzeit die interessantesten neuen M\u00f6glichkeiten?<\/p>\n\n\n\n<p>Spannend finde ich unter anderem die Frage: Wer sind die zentralen neuen, wirtschaftlich m\u00e4chtigen Akteure, die eine grosse Zahl von Nutzern ansprechen? Sie versprechen den Nutzern Orientierung in einem riesigen, chaotischen Informationsuniversum. Diese Akteure geben den Nutzern die M\u00f6glichkeit, grosse Informationsmengen zu verarbeiten und den Umgang mit diesen Informationsmengen produktiv zu gestalten. Produktiv in dem Sinn, dass die Nutzer Informationen nicht nur aufnehmen, sondern auch eigene Meinungen, Haltungen oder Werturteile in einer f\u00fcr andere wahrnehmbaren Weise zum Ausdruck bringen k\u00f6nnen. Das ist f\u00fcr mich einer der interessantesten neuen Spielr\u00e4ume.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Gab es das nicht immer schon?<\/p>\n\n\n\n<p>Die M\u00f6glichkeit, eigene Haltungen gegen\u00fcber Informationen und Wissen auszudr\u00fccken, gab es nat\u00fcrlich schon immer. Was wir jetzt erleben, ist aber, dass diese Interpretationsleistung durch die Verbreitung in Netzwerken in einem Ausmass produktiv gemacht wird, das alles Bisherige \u00fcbersteigt. Dabei entsteht die M\u00f6glichkeit, ungeheuer viele verschiedene Informationsfilter daf\u00fcr zu generieren, was verschiedene Menschen als interessant erachten und mit ihrem Umfeld teilen wollen. Was wir hier erleben, ist eine starke kulturelle Diversifizierung. Erstmals entsteht auch f\u00fcr marginale oder sehr spezialisierte Interessen eine kritische Masse an Personen, die diese Themenfelder bearbeiten k\u00f6nnen. Wenn ich das sage, benenne ich strukturelle M\u00f6glichkeiten, ich f\u00e4lle kein Werturteil dar\u00fcber, wie sinnvoll es ist, allen diesen Interessen eine B\u00fchne zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Sie sagen, dass die Kultur der Digitalit\u00e4t neue Spielr\u00e4ume er\u00f6ffnet, indem sie die M\u00f6glichkeiten erweitert, individuellen Meinungen und Werturteilen Geh\u00f6r zu verschaffen. Gehen in dieser Kultur auch bisherige Spielr\u00e4ume verloren?<\/p>\n\n\n\n<p>Eine grosse Herausforderung liegt darin, dass die Kontextualisierung von Handlungen und \u00c4usserungen br\u00fcchig wird. Da gehen sicher Spielr\u00e4ume verloren. Vor der Digitalisierung war klar, dass in verschiedenen Kontexten unterschiedliche Regeln herrschten und unterschiedliche \u00c4usserungsformen m\u00f6glich waren. Wor\u00fcber ich mit meinem Arzt sprach, was ich meinen Freunden erz\u00e4hlte oder in einem beruflichen Meeting sagte, blieb auf den jeweiligen Kontext beschr\u00e4nkt. Innerhalb des einzelnen Kontextes konnte man sich \u00e4ussern, experimentieren und Rollen ausprobieren, ohne damit rechnen zu m\u00fcssen, dass dies in anderen Kontexten bekannt wird. Dadurch bestand innerhalb einzelner Kontexten ein grosser Spielraum f\u00fcr Erfahrungen und Experimente.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die M\u00f6glichkeiten schwinden, in einem klar begrenzten Rahmen mit neuen Denk- und Verhaltensweisen zu experimentieren, gehen wichtige Spielr\u00e4ume verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt erleben wir, dass es sehr einfach geworden ist, Dinge von einem Kontext zum anderen zu transferieren. Was im halbprivaten Raum gesagt wurde, kann pl\u00f6tzlich eine gesamtpolitische Bedeutung erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Wie kommt es, dass die unterschiedlichen R\u00e4ume und Kontexte wieder st\u00e4rker zusammen\u00adwachsen?<\/p>\n\n\n\n<p>Das hat mehrere Gr\u00fcnde. Einerseits hat es etwas mit der medialen Verfasstheit zu tun, damit, dass alles im selben Medium, im Internet stattfindet. Die unterschiedlichsten T\u00e4tigkeiten sind immer nur eine Suchanfrage voneinander entfernt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein zweiter Grund hat mit der Ver\u00e4nderung der Arbeitswelt zu tun. Es gibt immer mehr T\u00e4tigkeiten, die ein Involviertsein der ganzen Person verlangen, die man also nicht in der Haltung aus\u00fcben kann: Ich mache hier nur meinen Job, aber das interessiert mich gar nicht und eigentlich bin ich das gar nicht. T\u00e4tigkeiten, die ein Involviertsein der ganzen Person verlangen und versprechen, fordern uns aktiv auf, die Grenzen zwischen den verschiedenen Kontexten zu durchl\u00f6chern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Hier klingt die Diskussion um die Subjektivierung der Arbeit an. Die Unternehmen erwarten von den Mitarbeitenden zunehmend, dass sie sich mit Haut und Haaren in die Arbeit einbringen. W\u00fcrden Sie das auch als Ausdruck einer Kultur der Digitalit\u00e4t sehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde sagen, das ist Teil einer gr\u00f6sseren historischen Transformation, die durch die Digitalisierung verst\u00e4rkt wird. Die Rolle von Technologie im sozialen Prozess ist eine alte, ungel\u00f6ste Frage. Verbreitet ist die Optik, wonach die Technologie in einen bestehenden Prozess einf\u00e4llt und den Prozess ver\u00e4ndert. So verl\u00e4uft die Entwicklung aber nicht. In meinem Buch versuche ich aufzuzeigen, dass soziale Prozesse aus ganz unterschiedlichen Gr\u00fcnden und an vielen verschiedenen Stellen in Bewegung geraten und neue M\u00f6glichkeiten oder Zw\u00e4nge schaffen. Ein solcher Prozess war eine Ver\u00e4nderung der Arbeitswelt, die bis ins 19. Jahrhundert zur\u00fcckreicht und zun\u00e4chst nichts mit Computern, aber sehr viel mit der steigenden Komplexit\u00e4t der Arbeitsabl\u00e4ufe zu tun hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Technologien k\u00f6nnen diese Transformationen beschleunigen, sind aber nicht deren Ausl\u00f6ser. Zun\u00e4chst muss es eine Vorstellung davon geben, etwas ver\u00e4ndern zu wollen. Ausserdem braucht es einen gewissen Druck, die M\u00fche der Ver\u00e4nderung auf sich zu nehmen. In diesem Prozess ver\u00e4ndert sich das Spielfeld nicht nur f\u00fcr Akteure, die eine Ver\u00e4nderung anstreben, sondern auch f\u00fcr alle anderen. Sobald irgendwo ein neues Organisations- und Arbeitsparadigma erfolgreich eingef\u00fchrt ist, steigt der Ver\u00e4nderungsdruck auf alle Akteure.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass \u00fcberhaupt ein Raum f\u00fcr Ver\u00e4nderungen und eine gesellschaftliche Notwendigkeit f\u00fcr Investitionen geschaffen wird, hat also mit der vorhergehenden Dynamik in der Gesellschaft zu tun. Dieser Prozess wird nicht durch die Technik ausgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Was bedeutet diese Entwicklung f\u00fcr die Bildung? Wo entstehen in der Kultur der Digitalit\u00e4t Aufgaben und Herausforderungen f\u00fcr das Lernen von Erwachsenen?<\/p>\n\n\n\n<p>Um diese Frage zu beantworten, muss man einen Schritt zur\u00fccktreten. Die Digitalisierung als \u00dcbergang und die Digitalit\u00e4t als Bedingung zeichnen sich durch eine enorm hohe Komplexit\u00e4t aus, was damit zusammenh\u00e4ngt, dass die einfacheren, linearen, monokausalen Erkl\u00e4rungsmuster nicht mehr greifen. Was das bedeutet, sehen wir beispielsweise im \u00f6kologischen Bereich. Wir leben heute in einer hochkomplexen Welt und bem\u00fchen uns, unsere gesellschaftlichen Institutionen dieser Komplexit\u00e4t anzupassen. Das hat sehr direkte Folgen f\u00fcr die Bildung. Eine der f\u00fcr die Struktur des Wissens zentralen Folgen betrifft die Art und Weise, wie wir etwas \u00fcber die Welt erfahren und dieses Wissen zug\u00e4nglich machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die klassische Methode der Wissenschaft und des kritischen Diskurses, Wissen zu generieren, beruht auf Distanz. Ich brauche eine gewisse Distanz zum Ph\u00e4nomen, um dar\u00fcber reflektieren zu k\u00f6nnen. Dahinter steht die Vorstellung, dass ein Ph\u00e4nomen aus der Distanz besser \u00fcberschau- und sichtbar ist als aus der N\u00e4he. Distanz schafft also eine gewisse Freiheit, sie schafft die M\u00f6glichkeit einer eigenst\u00e4ndigen, kritischen Reflexion. Das funktioniert aber nur, wenn der Gegenstand, den man aus der Distanz betrachtet, bez\u00fcglich Gr\u00f6sse und interner Komplexit\u00e4t gewisse Grenzen hat. Nun bekommen wir es aber zunehmend mit Ph\u00e4nomenen zu tun, die enorm gross und weitverzweigt, also sehr komplex und dynamisch sind. Da ist es kaum mehr m\u00f6glich, die Distanz zu gewinnen, aus der man ein Ph\u00e4nomen unbeteiligt beurteilen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Was wir heute erleben, ist eine grundlegende Ver\u00e4nderung der Art, wie Wissen generiert und dargestellt wird. Die Digitalit\u00e4t \u2013 verstanden als von digitalen Technologien gepr\u00e4gte Bedingung, wie wir etwas \u00fcber die Welt erfahren und wie wir mit der Welt verbunden sind \u2013 erlaubt uns, andere Beziehungen zu kn\u00fcpfen, neue Muster der Darstellung zu suchen und den bisherigen Mustern zu misstrauen. Die Dinge kommen oft wesentlich direkter und weniger oder anders gefiltert auf uns zu als fr\u00fcher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Kann man daraus ableiten, dass Sie den Umgang mit Komplexit\u00e4t als Schl\u00fcsselproblem der Bildung in einer Kultur der Digitalit\u00e4t sehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Das w\u00fcrde ich so sehen, ja. Mit steigender Komplexit\u00e4t werden die Dinge so vielschichtig und vernetzt, dass der Charakter des einzelnen Dings sehr wandelbar wird. Je nachdem, in welchem Zusammenhang die Dinge stehen, kann es sein, dass sie kaum mehr als einzelne Ph\u00e4nomene erfassbar sind. Damit wird auch die Positionalit\u00e4t des Betrachters extrem wichtig, weil sie ja an der Herstellung der Zusammenh\u00e4nge beteiligt ist. Die Dinge sehen aus verschiedenen Orten und Blickwinkeln unterschiedlich aus, was dem Ganzen eine zus\u00e4tzliche Dynamisierung verleiht und die Komplexit\u00e4t weiter erh\u00f6ht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Wenn die Komplexit\u00e4t weiter steigt, w\u00e4chst auch die Macht jener, die damit umgehen k\u00f6nnen. Ist dieser Machtzuwachs nicht problematisch?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Machtzuwachs ist tats\u00e4chlich enorm und kann aus demokratischer Perspektive problematisch sein. Aber die Tatsache, dass wir als Kollektiv, als Gesellschaft die M\u00f6glichkeiten erhalten, komplexere Ph\u00e4nomene zu verstehen und in sie einzugreifen, halte ich f\u00fcr eine grunds\u00e4tzlich positive Entwicklung. Nehmen Sie beispielsweise den Umgang mit Ressourcen: Wir k\u00f6nnen uns nicht l\u00e4nger auf den Standpunkt stellen, dass die Dinge aus dem Nichts kommen und nach Gebrauch wieder spurlos im Nichts verschwinden. Diese Haltung haben wir in den letzten zweihundert Jahren vertreten, heute brauchen wir wesentlich komplexere Vorstellungen von Kreisl\u00e4ufen und Zusammenh\u00e4ngen, um den Umgang mit Ressourcen zu verstehen und ver\u00e4ndern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Gesellschaft und die Institutionen ist es eine enorme Herausforderung, komplexere Vorstellungen zu entwickeln. Diese Herausforderung muss auf vielen Ebenen gleichzeitig angegangen werden, auch auf epistemologischer Ebene: Wie wissen wir \u00fcberhaupt etwas \u00fcber die Welt? Und wie vermitteln wir dieses Wissen? Wie generieren wir es so, dass es f\u00fcr andere Menschen zug\u00e4nglich wird?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Als Kulturwissenschaftler analysieren Sie diese komplexe Entwicklung aus der Distanz. Sie unterrichten aber auch an einer Bildungsinstitution und sind folglich selbst mit den Auswirkungen der Digitalisierung in der Bildungspraxis konfrontiert. Wo begegnet Ihnen die Digitalit\u00e4t in Ihrem Alltag als Dozent?<\/p>\n\n\n\n<p>Digitalit\u00e4t begegnet mir vor allem dort, wo ich es mit Gebieten zu tun habe, auf denen meine Studenten weit mehr wissen als ich. Die Komplexit\u00e4t der Gegenst\u00e4nde und Felder ist so stark gestiegen, dass es illusorisch w\u00e4re zu meinen, ich k\u00f6nnte \u00fcber das ganze Fachwissen verf\u00fcgen. Tats\u00e4chlich wissen die Studenten vieles, das ich nicht weiss. Sie k\u00f6nnen sich wesentlich tiefer in ein spezifisches Thema einarbeiten als ich, der damit besch\u00e4ftigt bin, einen \u00dcberblick zu erstellen und den Studenten die Mittel an die Hand zu geben, mit ihrem spezifischen Wissen sinnvoll umzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Aufgabe als Dozent besteht unter anderem darin, das dekontextualisierte Wissen, das die Studenten aus Suchmaschinen beziehen, in einen reflektierten, gr\u00f6sseren Zusammenhang einzubetten. Woher kommt das Wissen? Wohin geht es? Warum taucht es in diesem oder jenem Kontext auf? &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-lead\">Zum Schluss w\u00fcrde ich gern einen Blick in die Zukunft werfen. Wenn Sie die Aufgabe h\u00e4tten, die Bildung der Zukunft zu gestalten: Wie w\u00fcrden Sie mit den Bildungsinstitutionen umgehen? W\u00fcrden Sie sie umgestalten \u2013 oder vielleicht ganz abschaffen?<\/p>\n\n\n\n<p>Abschaffen w\u00fcrde ich die Institutionen auf keinen Fall. Ich bin \u00fcberzeugt, dass Bildung nach wie vor die Aufgabe hat, soziale Mobilit\u00e4t zu erm\u00f6glichen. Eine gute \u00f6ffentliche Bildung tr\u00e4gt entscheidend dazu bei, eine harte Stratifizierung der Gesellschaft abzumildern. Dazu m\u00fcssen wir in der Bildung einerseits die F\u00e4higkeit vermitteln, mit standardisierten Situationen umzugehen, und andererseits die F\u00e4higkeit, das individuell Spezifische zu artikulieren. Es reicht nicht, einen Partizipations-Grundkurs anzubieten und zu meinen, damit h\u00e4tten alle das R\u00fcstzeug, um an gesellschaftlichen Prozessen teilzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Komplexit\u00e4t bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen, braucht es beides, eine gewisse Standardisierung \u2013 in dem Sinn, dass wir uns mit Situationen befassen, die auch von anderen geteilt werden \u2013 und die Auseinandersetzung mit dem Individuellen, Spezifischen. Die Individualisierung sollte allerdings auch ihre Grenzen haben. Wie man zurzeit in Bezug auf die digitalen Medien sieht, kann Individualisierung so weit gehen, dass sich Leute in ihrer eigenen Welt einsperren und kaum mehr eine Vorstellung davon haben, in welchen Welten sich andere bewegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Stalder, Felix (2016): Kultur der Digitalit\u00e4t. Berlin: Suhrkamp<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dieser Text ist die Kurzfassung des Interviews, das im Fr\u00fchjahr erscheint in:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Haberzeth, Erik; Sgier, Irena (Hrsg.) (2019): Digitalisierung und Lernen. Gestaltungsperspektiven f\u00fcr das professionelle Handeln in der Erwachsenen- und Weiterbildung. Bern: hep<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Felix Stalder Felix Stalder is Professor of Digital Culture and Networking Theories at the Zurich University of the Arts [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":2568,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"dialogue-category":[],"dialogue-tag":[75],"class_list":["post-1334","dialogue","type-dialogue","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","dialogue-tag-felix-stalder-de"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Den Schritt zur\u00fcck gibt es nicht - TRANSIT<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/thinktank-transit.ch\/de\/dialogue\/theres-no-way-back\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Den Schritt zur\u00fcck gibt es nicht - 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