Future Skills zwischen Re-Frame und Umsetzung


Future Skills gelten als zentrale Voraussetzung, um mit gesellschaftlichem Wandel umzugehen. Gleichzeitig bleibt oft unklar, was genau darunter zu verstehen ist und wie sie in der Weiterbildung konkret gefördert werden können.
Vor diesem Hintergrund rückte das Thema «Future Skills» auch beim DACH-Austausch im März 2026 in Zürich in den Fokus.

Vertreterinnen des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE), der Weiterbildungsakademie Österreich (wba) und des SVEB diskutierten auf Basis aktueller Studien, welche Rolle Future Skills für die Professionalisierung in der Weiterbildung spielen und wie sie sich konzeptionell und praktisch fassen lassen. Ausgangspunkt des Workshops bildeten zwei aktuelle Studien: der TRANSIT Trendbericht Future Skills und die Zukunft der Weiterbildung sowie die Studie des DIE zu Future Skills in der Weiterbildung.

Der TRANSIT-Trendbericht analysiert Future Skills aus einer systemischen Perspektive und zeigt, dass Future Skills weniger als feste Kompetenzlisten zu verstehen sind, sondern als dynamische und kontextabhängige Fähigkeiten im Umgang mit Unsicherheit, Komplexität und Wandel. Im Zentrum steht dabei insbesondere die Rolle von Weiterbildung als gestaltende Kraft im gesellschaftlichen Wandel.

Die Studie des DIE basiert auf einer Umfrage in der Weiterbildungspraxis und macht sichtbar, welche Future Skills aktuell als relevant eingeschätzt und tatsächlich umgesetzt werden. Sie zeigt unter anderem, dass Future Skills in der Praxis häufig bereits eine Rolle spielen, jedoch oft implizit bleiben und selten systematisch benannt oder didaktisch reflektiert werden.

Die Perspektiven der beiden Studien ergänzen sich gut. Während TRANSIT stärker konzeptionell und zukunftsorientiert argumentiert, bringt das DIE empirische Einblicke aus der Umsetzungspraxis ein. Die sich ergänzenden Perspektiven bildeten eine ideale Grundlage für den Workshop, der sich an drei zentralen Spannungsfeldern, in denen sich Future Skills bewegen, orientierte.

Spannungsfeld 1: Ist «Future Skills» ein hilfreicher neuer Zugang oder nur ein neues Label für altbekannte Schlüsselkompetenzen?

Die Diskussion machte deutlich, dass «Future Skills» von vielen nicht als völlig neues Konzept verstanden werden, sondern als Re-Frame des Konzepts der Schlüsselkompetenzen. Der Begriff kann dazu beitragen, die Debatte neu zu beleben und stärker auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen auszurichten.

Aufgrund der gesellschaftlichen Ausrichtung drehte sich die Diskussion weiter um Verantwortlichkeiten. Die Teilnehmenden waren sich einige, dass es nicht nur um das Ich geht und darum dieses weiterzuentwickeln, sondern um eine Systemperspektive und den gesellschaftlichen Beitrag von Future Skills.

Mögliche Antwort: „Future Skills“ sind kein völlig neues Konzept erweitern den Fokus von individueller Kompetenzentwicklung hin zu gesellschaftlicher Verantwortung für die Zukunft.

Spannungsfeld 2: Brauchen wir zur Orientierung Kompetenzmodelle und -Listen mit relevanten Future Skills oder ist für den Umgang mit unsicherer Zukunft eine offene Auseinandersetzung mit möglichen Zukünften sinnvoller? 

Ein zentrales Ergebnis war, dass die Gegenüberstellung von Kompetenzmodellen und offener Zukunftsreflexion zu kurz greift. Es geht nicht um ein ODER, sondern um ein UND. Die Auseinandersetzung mit möglichen Zukünften hilft, relevante Kompetenzbedarfe zu erkennen; Kompetenzmodelle machen diese greifbar und unterstützen ihre Umsetzung in konkretes Handeln.

Zudem wurde betont, dass Zukunft immer im Zusammenspiel von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gedacht werden muss. Denn die Vergangenheit bildet die Basis unserer jeweiligen (meist impliziten) Annahmen, auf denen unsere Zukunftsvorstellungen beruhen. Und wir müssen in der Gegenwart ansetzen, wenn wir etwas für die Zukunft tun wollen. Als anschauliches Bild wurde der Vergleich mit therapeutischen Ansätzen genutzt: Zukunftsreflexion als verstehender Zugang (Psychoanalyse), Kompetenzmodelle als handlungsorientierter Ansatz (Verhaltenstherapie).

Mögliche Antwort: Future Skills brauchen beides: offene Zukunftsdiskurse zur Orientierung und Kompetenzmodelle zur Umsetzung in der Gegenwart.

Spannungsfeld 3: Braucht es zur Förderung von Future Skills eigene Lernformate (Kurse) oder geht es vor allem darum, sie in bestehenden Lernprozessen sichtbar zu machen?

Im dritten Spannungsfeld stand die Frage im Zentrum, wie Future Skills konkret gefördert werden können. Die Diskussion machte deutlich, dass mehrere aufeinander aufbauende Schritte zentral sind: Zunächst braucht es eine Klärung, welche Future Skills im jeweiligen Kontext relevant sind. Darauf aufbauend müssen diese im Lernprozess explizit gemacht werden. Damit können Lernende ihre Kompetenzentwicklung erkennen, benennen und auch gegenüber Dritten sichtbar machen.

Ebenso wichtig ist das subjektive Erleben: Future Skills bleiben abstrakt, wenn sie nicht in konkreten Situationen erfahrbar werden. Ihre Bedeutung entfalten sie erst im Zusammenspiel mit anderen Kompetenzen und im individuellen Anwendungskontext.

Mögliche Antwort: Eigene Lernformate für Future Skills sind möglich. Es ist aber vor allem wichtig, sie in bestehenden Lernprozessen sichtbar zu machen und ihnen in Kombination mit weiteren Kompetenzen eine subjektive Sinnhaftigkeit zu verleihen. 

Fazit

Die Diskussionen im Workshop machten deutlich, dass Future Skills kein klar abgegrenztes Konzept sind, sondern sich in verschiedenen Spannungsfeldern bewegen: zwischen Altbekanntem und Neuem, zwischen Offenheit und Struktur sowie zwischen unterschiedlichen didaktischen Zugängen.

Gerade diese Spannungsfelder eröffnen produktive Denk- und Gestaltungsräume. Future Skills können so als Anlass dienen, die Rolle von Weiterbildung in einer sich wandelnden Gesellschaft neu zu reflektieren und weiterzuentwickeln.

Literatur

Helen Buchs (2025): TRANSIT – Vierter Trendbericht 2025: Future Skills und die Zukunft der Weiterbildung.

Brigitte Bosche & Mona Pielorz (2025): Future Skills in der Weiterbildung. Ergebnisse einer Umfrage in Zusammenarbeit mit dem DIALOG-Praxisnetzwerk für Wissenstransfer und Innovation. DOI: 10.58000/vq6x-a235